Die 7 häufigsten Missverständnisse über Kindergefühle

Viele Konflikte im Alltag entstehen nicht, weil Kinder Gefühle haben, sondern weil Eltern sie anders verstehen als Kinder.

Wir gehen oft davon aus, dass Kinder ihre Gefühle genauso erleben, verstehen und ausdrücken wie wir. Tatsächlich müssen sie all das jedoch erst lernen. Genau daraus entstehen viele Missverständnisse, die den Umgang mit starken Gefühlen unnötig erschweren.

In diesem Artikel zeigen wir dir die sieben häufigsten Missverständnisse über Kindergefühle. Wenn du sie kennst, wirst du viele Reaktionen deines Kindes besser verstehen und im Alltag gelassener damit umgehen können.

So lernt dein Kind mit Gefühlen umzugehen

Missverständnis 1: Kinder wissen schon, was Gefühle sind

Viele Eltern gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass Kinder wissen, was Gefühle sind. Schließlich erleben sie jeden Tag Freude, Wut, Angst oder Traurigkeit.

Genau das ist jedoch ein Missverständnis.

Kinder fühlen ihre Gefühle zwar von Anfang an, sie verstehen sie aber noch nicht. Sie wissen häufig nicht, welches Gefühl sie gerade erleben oder warum es überhaupt entstanden ist.

Für Erwachsene ist dieser Unterschied kaum spürbar. Wir erkennen meist sofort, ob wir wütend, enttäuscht oder verunsichert sind. Kinder müssen diese Fähigkeit erst Schritt für Schritt entwickeln.

Deshalb reagieren Kinder oft so, wie Erwachsene es nicht erwarten. Nicht weil sie ihre Gefühle nicht ernst nehmen oder sich absichtlich so verhalten, sondern weil sie noch nicht verstehen, was gerade in ihnen passiert.

Gefühle zu verstehen ist keine angeborene Fähigkeit. Kinder müssen sie genauso lernen wie das Sprechen, Lesen oder Rechnen. Erst nach und nach erkennen sie, welche Gefühle es gibt, wodurch sie entstehen und wie sie damit umgehen können.

Deshalb versteht dein Kind seine Gefühle noch nicht.

Geschichten helfen, Gefühle zu verstehen.

Missverständnis 2: Kinder kennen die Worte für Gefühle

Viele Eltern glauben, dass Kinder ihre Gefühle benennen können, wenn sie nur oft genug danach fragen. Doch auch das ist ein Missverständnis.

Kinder müssen die Sprache der Gefühle erst lernen. Begriffe wie Enttäuschung, Frust, Unsicherheit oder Nervosität gehören nicht von Anfang an zu ihrem Wortschatz.

 Deshalb können Kinder häufig nicht sagen, was sie gerade fühlen. Sie spüren zwar, dass etwas nicht stimmt, finden dafür aber keine passenden Worte.

Statt ihre Gefühle zu beschreiben, zeigen Kinder sie deshalb oft durch ihr Verhalten. Sie weinen, werden wütend, ziehen sich zurück oder reagieren gereizt.

Je mehr Kinder über Gefühle lernen und die passenden Begriffe kennenlernen, desto besser können sie anderen mitteilen, was in ihnen vorgeht.

Deshalb kann dein Kind seine Gefühle noch nicht benennen

Missverständnis 3: Kinder verstehen, was wir ihnen über Gefühle sagen wollen

Viele Eltern sprechen mit ihrem Kind über Gefühle. Sie sagen zum Beispiel: „Du bist enttäuscht.“, „Du musst keine Angst haben.“ oder „Ich verstehe, dass du frustriert bist.“

Dabei gehen sie oft davon aus, dass ihr Kind diese Begriffe genauso versteht wie sie selbst.

Doch genau das ist ein Missverständnis.

Kinder müssen die Bedeutung von Gefühlen erst lernen. Worte wie Enttäuschung, Frust oder Unsicherheit sind für sie zunächst nur Begriffe. Sie wissen häufig noch nicht, was genau dahintersteckt oder worin sich diese Gefühle unterscheiden.

Deshalb verstehen Kinder nicht, was Erwachsene mit solchen Erklärungen eigentlich meinen. Erst durch viele Erfahrungen und altersgerechte Beispiele lernen sie nach und nach, die Begriffe mit ihren eigenen Gefühlen zu verbinden.

Deshalb versteht dein Kind Erklärungen über Gefühle noch nicht

Missverständnis 4: Kinder empfinden Gefühle genauso stark wie wir

Viele Eltern gehen davon aus, dass Kinder Gefühle ähnlich erleben wie sie selbst. Sie glauben, dass ein Kind in einer Situation ungefähr das Gleiche empfindet wie ein Erwachsener.

Doch auch das ist ein Missverständnis.

Kinder erleben Gefühle häufig deutlich intensiver. Gleichzeitig fehlt ihnen noch die Erfahrung, Gefühle einzuordnen und damit umzugehen. Dadurch können schon kleine Auslöser sehr große Reaktionen hervorrufen.

Was für Eltern wie eine Kleinigkeit wirkt, kann sich für ein Kind überwältigend anfühlen. Das Gefühl ist in diesem Moment für das Kind vollkommen real und oft genauso groß, wie es nach außen wirkt.

Mit zunehmender Entwicklung lernen Kinder, Gefühle besser zu verstehen und zu regulieren. Dadurch werden viele Reaktionen mit der Zeit ruhiger und angemessener.

Deshalb erlebt dein Kind Gefühle oft intensiver als du

Missverständnis 5: Wenn sich ein Gefühl schnell ändert, kann es nicht so schlimm gewesen sein

Viele Eltern erleben, dass ihr Kind eben noch bitterlich geweint hat und wenige Minuten später wieder lacht oder fröhlich spielt. Schnell entsteht der Eindruck, dass das Gefühl vorher gar nicht so schlimm gewesen sein kann.

Doch auch das ist ein Missverständnis.

 Kinder leben viel stärker im Hier und Jetzt als Erwachsene. Sie erleben ihre Gefühle in dem Moment sehr intensiv. Ändert sich die Situation, richtet sich ihre Aufmerksamkeit oft sofort auf etwas Neues. Damit verändert sich häufig auch das Gefühl.

Das bedeutet aber nicht, dass das vorherige Gefühl nur gespielt oder nicht ernst gemeint war. In diesem Moment war es für dein Kind genauso echt und intensiv, wie es nach außen gewirkt hat.

Kinder lernen erst mit der Zeit, Gefühle länger einzuordnen, darüber nachzudenken und sie bewusst zu verarbeiten.

Deshalb waren die Gefühle deines Kindes trotzdem echt

Missverständnis 6: Gefühle gehen schnell wieder weg

Viele Eltern glauben, dass ein Gefühl vorbei ist, sobald ihr Kind sich wieder beruhigt hat oder etwas anderes macht.

Doch auch das ist ein Missverständnis.

Das sichtbare Gefühl verschwindet oft schnell. Die Erfahrung, die Enttäuschung oder die Angst können jedoch noch lange nachwirken. Kinder denken zwar meist nicht so lange darüber nach wie Erwachsene, trotzdem können Gefühle Spuren hinterlassen.

Manchmal zeigt sich das erst später. Ein Kind wird vorsichtiger, vermeidet eine bestimmte Situation oder reagiert beim nächsten Mal schneller mit Angst oder Wut.

Deshalb ist ein Gefühl nicht automatisch verarbeitet, nur weil die Tränen aufgehört haben oder dein Kind wieder lacht. Kinder müssen erst lernen, ihre Gefühle zu verstehen und zu verarbeiten.

Deshalb verschwinden Gefühle nicht einfach wieder

Gefühle verstehen – erfahren, dass andere auch so empfinden – mit Gefühlen umgehen lernen.

Missverständnis 7: Über Gefühle zu reden hilft

Viele Eltern sprechen mit ihrem Kind über Gefühle. Sie erklären, trösten und fragen nach. Das ist wichtig und kann Kindern helfen.

Das Missverständnis besteht jedoch darin zu glauben, dass Reden allein ausreicht.

 Kinder lernen Gefühle nicht nur durch Erklärungen. Sie müssen Gefühle erleben, erkennen, benennen und immer wieder neue Erfahrungen damit machen. Erst dadurch verstehen sie nach und nach, was in ihnen passiert und wie sie mit ihren Gefühlen umgehen können.

Deshalb ergänzen Geschichten und Spiele die Gespräche auf ideale Weise. Sie helfen Kindern, Gefühle selbst zu erleben und die Bedeutung der einzelnen Gefühle Schritt für Schritt zu verstehen.

Über Gefühle zu reden ist also ein wichtiger Teil. Entscheidend ist jedoch, wie wir mit Kindern über Gefühle sprechen. Nur wenn Erklärungen altersgerecht und für Kinder verständlich sind, können sie dabei helfen, Gefühle nach und nach besser zu verstehen.

Deshalb lernt dein Kind Gefühle nicht allein durch Gespräche